Arbeitshilfe · Energieaudit
Checkliste: Datenerfassung für das Energieaudit
Ein Energieaudit steht und fällt mit der Datengrundlage. Diese Liste ist zum Durchgehen vor dem ersten Termin gedacht: Für den Betrieb zeigt sie, was zusammenzusuchen ist, für den Auditor, wo die Daten im Haus überhaupt liegen. Sie ist bewusst vollständig gehalten — nicht jeder Punkt trifft auf jeden Betrieb zu, und was nicht vorhanden ist, ist selbst ein Befund.
1. Unternehmen und Rahmen
- Standortliste mit Adressen, Flächen und Nutzungsart
- Organigramm und Ansprechpartner für Technik, Instandhaltung, Einkauf, Controlling
- Betriebszeiten, Schichtmodell, Stillstands- und Urlaubszeiten der letzten drei Jahre
- Produktionsmengen oder eine andere Bezugsgröße je Monat (für Kennzahlen und Baseline)
- Geplante Erweiterungen, Umbauten oder Prozessänderungen im Auditzeitraum
- Vorheriger Auditbericht und der Stand der damals vorgeschlagenen Maßnahmen
- Bestehende Zertifizierungen (ISO 50001, ISO 14001, EMAS) samt Managementbewertung
2. Energiebezug — je Energieträger, drei volle Jahre
- Strom: Jahresabrechnungen und Monatsrechnungen aller Zählpunkte
- Strom: Viertelstunden-Lastgang je Zählpunkt (beim Netzbetreiber oder Lieferanten anzufordern)
- Erdgas: Abrechnungen, wenn vorhanden Lastgang oder Tageswerte
- Fern- oder Nahwärme: Abrechnungen, Anschlussleistung, Temperaturniveau
- Heizöl, Flüssiggas, Pellets, Hackgut: Lieferscheine und Tankstände zum Jahreswechsel
- Treibstoffe: Tankkarten- oder Eigentankstellen-Auswertung
- Eigenerzeugung: PV-Ertrag, KWK, Notstrom — Erzeugungs- und Einspeisedaten
- Netzentgelte, Leistungspreis und die vereinbarte Anschlussleistung
3. Gebäude
- Grundrisse, Baujahre, Sanierungsstand, beheizte und gekühlte Flächen
- Energieausweise, sofern vorhanden
- Heizungs- und Kälteanlagen: Typ, Leistung, Baujahr, Brennstoff, Vor- und Rücklauftemperaturen
- Lüftungsanlagen: Volumenströme, Betriebszeiten, Wärmerückgewinnung ja/nein
- Gebäudeleittechnik: Zugriff auf Trenddaten, Regelstrategien, Sollwerte, Zeitprogramme
- Beleuchtung: Leuchtmittel, Schaltgruppen, Präsenz- oder Tageslichtsteuerung
4. Produktionsprozesse
- Prozessschema oder Fließbild mit den Hauptaggregaten
- Anlagenliste mit installierter Leistung, Baujahr und typischer Auslastung
- Prozesstemperaturen: Ein- und Austritt der wesentlichen Wärme- und Kälteverbraucher
- Dampf: Kesselleistung, Druckstufen, Kondensatrückführungsrate, Absalzung, Speisewasseraufbereitung
- Öfen und Trockner: Temperaturprofile, Chargengrößen, Abgastemperaturen
- Prozesswasser und Reinigungsprozesse: Temperaturen, Mengen, Aufbereitung
5. Querschnittstechnik
- Druckluft: Kompressorenliste, Netzdruck, Betriebsstunden, Leerlaufanteil, Leckage-Messung
- Kälteerzeugung: Aggregate, Kältemittel, Verdampfungs- und Kondensationstemperaturen, freie Kühlung
- Pumpen und Ventilatoren: Antriebsleistung, Regelung (Drossel, Bypass, Frequenzumrichter)
- Elektrische Antriebe: Motorenliste mit Effizienzklasse, sofern geführt
- Wartungsverträge und Instandhaltungsprotokolle der letzten drei Jahre
6. Abwärme — im EEffG ein eigener Pflichtpunkt
- Abwärmequellen mit Temperaturniveau und Wärmemenge, nicht nur der Benennung nach
- Medium und mögliche Inhaltsstoffe (bestimmt, ob die Wärme überhaupt nutzbar ist)
- Zeitliche Verfügbarkeit: dauernd, chargenweise, saisonal
- Bereits umgesetzte Wärmerückgewinnung und deren tatsächliche Ausnutzung
- Potenzielle Senken auf dem Betriebsgelände und in der Nachbarschaft
7. Transport und Mobilität
- Fuhrpark nach Fahrzeugklassen, Fahrleistung, Verbrauch
- Innerbetrieblicher Transport: Stapler, Fördertechnik, Ladeinfrastruktur
- Beauftragte Logistik, sofern in der Systemgrenze
8. Messung und Monitoring
- Zählerstruktur: welche Unterzähler existieren, was decken sie ab, werden sie ausgelesen
- Vorhandene Energiedatenerfassung: System, Datenpunkte, Archivtiefe, Exportmöglichkeit
- Kalibrier- und Eichnachweise der abrechnungsrelevanten Zähler
- Lücken benennen: welche Verbraucher lassen sich derzeit nicht messtechnisch trennen
9. Für die Wirtschaftlichkeitsrechnung
- Aktuelle Arbeits- und Leistungspreise je Energieträger, Vertragslaufzeiten
- Interner Kalkulationszinssatz und übliche Betrachtungsdauer
- Erwartete Nutzungsdauern der betroffenen Anlagen
- Richtpreise oder Angebote für die diskutierten Maßnahmen, soweit vorhanden
- Bestehende Instandhaltungs- oder Ersatzinvestitionsplanung (bestimmt die Vergleichsbasis)
10. Wenn eine Förderung oder CO₂-Bilanz mitlaufen soll
- Unternehmensgröße nach KMU-Definition, Beteiligungs- und Partnerstruktur
- Bereits erhaltene Förderungen der letzten drei Jahre (Kumulierung, De-minimis)
- Emissionsrelevante Mengengerüste für Scope 1 und 2
- Geplanter Investitionszeitpunkt — der Förderantrag muss vor der ersten rechtsverbindlichen Bestellung liegen
Grundlage: Datenerfassung und Messplan nach EN 16247-1 (Ausgabe November 2022); Mindestvorgaben nach Anhang 1 zu § 42 EEffG in der geltenden Fassung (RIS). Die Liste ist eine Arbeitshilfe und ersetzt weder den Normtext noch die Abstimmung des Auditumfangs im Einzelfall.